Puppe

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Pup|pe ['pʊpə], die; -, -n:
1. verkleinerte Nachbildung besonders eines weiblichen Kindes (als Kinderspielzeug):
mit Puppen spielen; eine Puppe mit richtigen Haaren.
Syn.: Marionette.
Zus.: Anziehpuppe, Babypuppe, Gliederpuppe, Holzpuppe, Schlafpuppe, Sprechpuppe, Stoffpuppe, Trachtenpuppe.
2. (Zool.) Insektenlarve, die in einer Hülle ruht, aus der sie nach einiger Zeit als voll entwickeltes Insekt ausschlüpft:
die Puppe eines Schmetterlings.
Syn.: Larve.

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Pụp|pe 〈f. 19
1. Kinderspielzeug in Form eines kleinen Menschen (Hand\Puppe)
2. Figur des Puppen- u. Kasperletheaters
3. 〈umg.; auch abwertend〉 Mädchen
4. 〈sinnbildl.〉 unselbstständige, dem Willen anderer unterworfene Person
5. Gebilde in Form einer menschl. Gestalt od. des menschl. Rumpfes zum Anprobieren od. Ausstellen von Kleidung (Schaufenster\Puppe, Schneider\Puppe)
6. 〈fig.〉 Hülle, in der Insekten mit vollkommener Verwandlung ein Ruhestadium durchmachen
7. mehrere aufrecht zusammengestellte Getreidegarben
● die \Puppen tanzen lassen 〈umg.〉 seine Macht über Untergebene ausnutzen; übermächtig, ausgelassen sein; bis in die \Puppen aufbleiben, feiern, schlafen sehr lange, bis in den Morgen hinein; mit \Puppen spielen [zu 3: wahrscheinl. nach den „Puppen“ genannten Götterstatuen am „Großen Stern“ in Berlin, bis zu dem es ohne Verkehrsmittel ein weiter Weg war; <spätmhd. puppe <lat. pupa „Mädchen, Puppe“]

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Pụp|pe , die; -, -n [spätmhd. puppe < lat. pup(p)a = Puppe; kleines Mädchen]:
1.
a) [verkleinerte] Nachbildung einer menschlichen Gestalt, eines Kindes [als Spielzeug]:
mit -n spielen;
Ü sie ist eine P. (schön, aber nichtssagend, seelenlos);
b) Marionette, Kasperpuppe:
-n schnitzen;
er war nur eine willenlose P. (ein Werkzeug) in der Hand der Mächtigen;
die -n tanzen lassen (ugs.: 1. einen großen Aufruhr veranstalten, energisch durchgreifen. 2. es hoch hergehen lassen, ausgelassen sein);
c) einem bestimmten praktischen Zweck dienende lebensgroße Nachbildung einer menschlichen Gestalt (z. B. Schaufensterpuppe, Fechtpuppe).
2. (salopp) Mädchen:
hör mal, P.!
3. (Zool.) in völliger Ruhestellung in einer Hülle befindliche Insektenlarve im Puppenstadium:
die P. eines Schmetterlings.
4. (landsch.) 1Hocke (1).
5.
bis in die -n (ugs.; sehr lange; urspr. berlin., wohl nach den im Berliner Tiergarten aufgestellten Statuen [= Puppen], zu denen der Weg früher recht weit war: bis in die -n schlafen, feiern).

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Puppe
 
[von lateinisch pup(p)a »Puppe«, »kleines Mädchen«],
 
 1) Kulturgeschichte: Nachbildung der menschlichen Gestalt für kultische oder magische Zwecke, als Grabbeigabe oder als (Kinder-)Spielzeug; mit unterschiedlicher Beweglichkeit von Kopf und Gliedmaßen. - Puppen sind v. a. überliefert aus dem alten Ägypten, aus Mesopotamien, Griechenland sowie dem Römischen Reich (u. a. aus Ton, Holz, Stoff, Elfenbein), aus den andinen Hochkulturen und Ostasien. In Europa werden Puppen (zum Teil bis in Lebensgröße) - mitunter bis heute - als Votivgaben, Prozessionsfiguren und Funeralplastiken verwendet. - Spiel(zeug)-Puppen (alte deutsche Bezeichnung Docke oder Tocke) kennen fast alle Völker; handgewerbliche Produktion gab es wohl schon im Altertum. Tonpuppen sind aus dem Mittelalter überliefert; spätere Puppen sind aus Holz und steif, so die Fatschendocke, oder beweglich (Gliederpuppe), wie die Puppen der Barockzeit, die Sonneberger Holzgelenkdocken und die Puppen aus dem Grödner Tal. Hausgefertigte Spielpuppen waren aus Stoff, Holz, Binsen u. a. Materialien, seit dem 19. beziehungsweise 20. Jahrhundert auch aus Papiermaché, (Biskuit-)Porzellan, Zelluloid, Gummi und Kunststoff. Die »gestopften« Körper oder Bälge bestehen aus Leinen, Schirting (einem Baumwollgewebe), Leder oder Wachstuch, gefüllt mit Kleie, Sägemehl, Werg oder Pflanzenfasern, heute auch mit Schaumstoff. - Puppen stellten ursprünglich Erwachsene dar, seit dem Altertum zumeist als junge Mädchen oder Frauen und kostümiert gestaltet; sie dokumentierten in Ausstattung und Gestalt sowohl Frauenideal als auch Kulturniveau und Mode der jeweiligen Epoche. Um 1855 (Sonneberg: »Sonneberger Gelenktäufling«) kam die Babypuppe auf. Aus undifferenzierten frühen Formen entwickelte sich eine immer genauere Abbildung des Menschen bis hin zur Ausprägung von individuellen kindlichen Gesichtszügen. Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Serie der Charakter- und Künstlerpuppen, u. a. von Käthe Kruse, Elena Konig di Scavini, der Firma Lenci Soc., der Schweizerin Sascha Morgenthaler (* 1893, ✝ 1975) oder die 100er-Serie von Sonneberg. Betont anatomisch gestaltet ist z. B. die Barbie-Puppe aus Plastik (Ruth Handler, 1959). - Moderichtungen vermitteln noch heute die Schaufensterpuppen oder Figurinen bei Messen u. Ä.; Sonderformen sind auch Automatenpuppen (schon seit dem 18. Jahrhundert), Papier- und Wahrsagepuppen sowie Handpuppen, Stockpuppen, Marionetten u. a. Puppen für das Puppentheater. Eine differenzierte Puppenkultur gibt es besonders in Japan. In einigen Touristengebieten, u. a. in Westafrika, werden Puppen als Souvenirartikel hergestellt. - Für besonders kleine Puppen entstanden Puppenhäuser beziehungsweise -Stuben (seit dem 16. Jahrhundert; zunächst v. a. als bürgerliche Repräsentationsstücke, eigentlicher Spielzeugcharakter erst seit Ende des 18. Jahrhunderts, besonders seit dem 19. Jahrhundert für das soziale Rollenspiel der Mädchen; kulturgeschichtlich wertvolle Sammlung im Schlossmuseum Arnstadt: Puppenstadt »Mon plaisir«, 1. Hälfte 18. Jahrhundert) sowie Puppenläden. - Alte Puppen und Künstlerpuppen (ausdrucksvolle handgemachte Puppen) sind heute gesuchte Sammelobjekte.
 
 
Künstler-P. Werkb. u. Dokumentation zeitgenöss. P.-Macher, hg. v. J. F. Richter (31988);
 J. u. M. Cieslik: Cieslik's Lex. der dt. P.-Industrie (21989);
 M. Cieslik: Cieslik's P.-Bestimmungsbuch (31989);
 
Das große P.-Buch, Beitr. v. M. Bachmann u. a. (Leipzig 61991);
 
Traumwelt der P., hg. v. B. Krafft (1992);
 I. Tilmann: Künstlerpuppen. Die zeitgenöss. Puppenkunst (1995);
 J. Bach: Internat. Hb. der P.-Marken. Ein P.-Bestimmungsbuch (a. d. Engl., 21996);
 E. Maiwald: Porzellan-P. Von den Anfängen bis 1930 (1997).
 
 2) Zoologie: Pupa, Chrysalis, Chrysalide, aus dem letzten Larvenstadium hervorgehendes Entwicklungsstadium der Insekten mit vollkommener Verwandlung. Nach Entleerung des Darminhalts und Einstellung der Nahrungsaufnahme kommt die verpuppungsreife Larve (Vorpuppe, Propupa) zur Ruhe. Noch unter der Larvenkutikula werden die Anlagen für die Körperanhänge des Vollinsekts ausgestülpt. Nach der Häutung (Verpuppung) zeigt die Puppe bereits die Gliederung und Anhänge des Vollinsekts. Die Puppe stellt ein Ruhestadium mit aufgehobener oder zumindest eingeschränkter Bewegungsfähigkeit dar; jegliche Nahrungsaufnahme unterbleibt. Im Verlauf der tief greifenden inneren Metamorphose werden die larvalen Organe ab- und die imaginalen aufgebaut.
 
Man unterscheidet: Pupa dectica, z. B. bei Köcherfliegen mit frei beweglichen, kräftigen Mandibeln zum Durchbeißen des Puppenkokons, und die Pupa adectica ohne funktionsfähige Mandibeln. Zu Letzteren gehört die freie Puppe (Pupa libera), bei der die Körperanhänge unbeweglich, aber frei auf der Körperoberfläche liegen (z. B. Käfer, Hautflügler, Flöhe). Ein Sonderfall der freien Puppe ist die Tönnchenpuppe der Fliegen, bei der die Puppe eingeschlossen in einer tönnchenförmigen Hülle liegt. - Die Mumienpuppe, bei der die Körperanhänge fest dem Rumpf anliegen, kommt bei den meisten Schmetterlingen und bei Mücken vor. Sonderformen dieser Puppen sind: Gürtelpuppe (Pupa cingulata), die mit einigen Gespinstfäden um die Körpermitte mit dem Kopf nach oben befestigt ist, und Stürzpuppe (Pupa suspensa), die mit dem Hinterende in einem Gespinstfleck verankert kopfabwärts hängt.
 

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Pụp|pe, die; -, -n [spätmhd. puppe < lat. pup(p)a = Puppe; kleines Mädchen]: 1. a) [verkleinerte] Nachbildung einer menschlichen Gestalt, eines Kindes [als Spielzeug]: eine große, schöne P.; eine P. mit Schlafaugen, die „Mama“ sagen kann; mit -n spielen; Ü sie ist eine P. (schön, aber nichtssagend, seelenlos); *P. in der P. (Matroschkapuppe); b) Marionette, Kasperpuppe: -n schnitzen; er kann die -n geschickt führen; Ü er war nur eine willenlose P. (ein Werkzeug) in der Hand der Mächtigen; *die -n tanzen lassen (ugs.; 1. einen großen Aufruhr veranstalten, energisch durchgreifen: »... klappen Sie schleunigst Ihren Block wieder auf - oder ich lass mal ganz gehörig die -n tanzen in diesem Nest hier.« [Molsner, Harakiri 52]; Nachtklubeigner Schulz lässt jetzt auch juristisch die -n tanzen [Spiegel 41, 1982, 59]. 2. es hoch hergehen lassen, ausgelassen sein: »Los, lasst die -n tanzen!«, rief Karl. Leopold brachte die Schnäpse und das Bier [Jaeger, Freudenhaus 92); Früher - da ist er abends fröhlich durch die Kneipen gezogen ..., hat die -n tanzen lassen [Hörzu 49, 1977, 22]); c) einem bestimmten praktischen Zweck dienende lebensgroße Nachbildung einer menschlichen Gestalt (z. B. Schaufensterpuppe, Fechtpuppe); die bei den Crashtests verwendeten -n stecken voller Elektronik; die Mund-zu-Mund-Beatmung wird an einer P. geübt; an der P. sah das Kleid nicht schlecht aus, aber mir steht es leider nicht. 2. (salopp) Mädchen: eine niedliche, süße P.; hör mal, P.!; Diese hier heißt Jolanda ... und ist wirklich eine ganz schicke P. (Danella, Hotel 351); Und wie ist es mit einer Flasche Wein zu Sonderpreisen, wenn ich heute Abend mit meiner P. (Freundin) zu Ihnen ins Café komme? (Kirst 08/15, 198). 3. (Zool.) in völliger Ruhestellung in einer Hülle befindliche Insektenlarve im Puppenstadium: die P. eines Schmetterlings; Sie schwiegen, wickelten sich in die Decken und lagen nebeneinander, um sich zu wärmen, eng beisammen wie drei große -n eines unheimlichen Falters (A. Zweig, Grischa 81); die Raupe wird zur P. 4. (landsch.) 1Hocke (1): -n aufstellen. 5. *bis in die -n (ugs.; sehr lange; urspr. berlin., wohl nach den im Berliner Tiergarten aufgestellten Statuen [= Puppen], zu denen der Weg früher recht weit war): bis in die -n schlafen, feiern; Derweil ging es im Keller der Abendakademie bis in die -n weiter (MM 7. 2. 89, 12).

Universal-Lexikon. 2012.

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